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Preisgekrönte Product Placements!

„Der verlorene Sohn“ wird am 23. Februar unverändert vom NDR ausgestrahlt werden. Der Sender hat sich dabei auch nicht von vermeintlichen Vorwürfen irre machen lassen, in dem Film würde Volkswagen Schleichwerbung betreiben. Der Umstand, dass Autos in Deutschland gefahren werden, gehört zu Recht zur (medialen) Lebenswirklichkeit des deutschen Fernsehens. Dabei ging unter, dass der Film beim Münchener Filmfest den Burgemeister-Preis bekam. Er reiht sich damit in eine Vielzahl preisgekrönter Film ein, die für Product Placement wichtig waren.

Schon immer haben Unternehmen Filmproduktionen unterstützt. Der gemeinsame Vorteil liegt dabei auf der Hand. Der eine hat den Imagegewinn, der andere geringere Produktionskosten. Dass die Qualität darunter nicht leidet, zeigen die preisgekrönten Filme.

„Es geschah in einer Nacht“ wird oftmals als eine der Mütter des Product Placement bezeichnet. Clark Gable, Superstar der 30er Jahre, zeigt in der Komödie von Frank Capra seinen nackten Oberkörper und in der Folge sollen die Umsätze der T-Shirt-Hersteller in den USA eingebrochen sein. Auf Intervention des zugehörigen Verbandes trug der Star später wieder Unterhemden. Der Film gewann in diesem Jahr fünf Oscars, u. a. als bester Film und für die beiden Hauptdarsteller Clark Gable und Claudette Colbert.

Auch „Die Reifeprüfung“ gilt als ein Meilenstein des Product Placement. Die Schlussszene, in der Dustin Hoffman mit der entführten Braut in einem Alfa Romeo in den Sonnenuntergang fährt, gab dem Instrument neuen Schwung. Die Szene wurde Jahre später von Audi in einem Werbespot wieder aufgegriffen. Der Film erreichte nicht nur Kultstatus als Symbol für New Hollywood. Auch der Regisseur Mike Nichols konnte sich für den Film einen Oscar abholen. Hinzu kamen sieben weitere Nominierungen und zahlreiche andere Auszeichnungen (u. a. der BAFTA-Award und vier Golden Globes).

„E.T.“, die Geschichte vom Außerirdischen, der die Schokoladenbonbons von Reese’s Pieces nascht, darf hier nicht fehlen. Mit einer Promotion zum Film konnte Hersheys den Umsatz seines Produktes deutlich steigern. Steven Spielberg erhielt für den Film in Frankreich und Italien die Auszeichnung als bester ausländischer Film. Hinzu kam ein Golden Globe als bester Film und zahlreiche Nominierungen (u. a. für den Oscar).

„Jerry Maguire“, der Film um den gleichnamigen Sportmanager, bot sich geradezu für das Product Placement von Sportfirmen an. So ergriff Reebok die Chance und war in dem Film außerordentlich präsent. Allerdings wurde er auch zum Beispiel dafür, wie die positive Wirkung konterkariert werden kann. Rod Tidwell, der aufstrebende Footballstar, regt sich in einer Szene furchtbar über Sportsposoren auf. Die Suada gipfelt in der Bemerkung: „Fick Reebok ins Knie“. Cuba Gooding jr. erhält hierfür einen Oscar. Tristar, die Produktionsfirma, hingegen trifft sich mit Reebok vor Gericht wieder. Neben dem Oscar gewinnt Cameron Crowe einen Europäischen Filmpreis und Tom Cruise einen Golden Globe.

Bleibt am Schluss ein Blick nach Deutschland. Seit Jahren sind die Krimis von ARD und ZDF regelmäßige Gäste bei den Preisverleihungen des Grimme-Instituts oder des Deutschen Fernsehpreises. Folgen aus den Reihen „Polizeiruf 110“, „Tatort“, „Bella Block“ wurden nominiert und ausgezeichnet. Nimmt man den eingangs erwähnten Vorwurf, die Bereitstellung von Fahrzeugen wäre Schleichwerbung, ernst, würde dem deutschen Fernsehpublikum eine Vielzahl von hochwertiger Unterhaltung entgehen.

 

Autor: Otto Kettmann von Kettmann & Partner