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Ein perfektes Product Placement – Talisker und Charlie Wilson

BE-Blog_2Vor zwei Wochen habe ich Ansätze zur Auswertung eines Product Placement erläutert. In die Güte fließen sowohl qualitative als auch quantitative Kriterien ein. Anhand des Auftrittes der Whiskey-Marke Talisker im Film „Der Krieg des Charlie Wilson“ soll gezeigt werden, welche Faktoren ein Product Placement nahezu perfekt machen.

 

Der Film „Der Krieg des Charlie Wilson“ kam 2008 in die deutschen Kinos. Er erzählt auf Basis der Biografie des Politikers Charlie Wilson dessen Kampf um die Unterstützung der USA für den Widerstand in Afghanistan während des Krieges gegen die Sowjetunion in den 80er Jahren. Der Film weist ein Product Placement der Marke Talisker auf, das den Whiskey perfekt inszeniert. Die Perfektion gilt sowohl hinsichtlich des quantitativen und qualitativen Auftrittes, der szenischen Einbindung und des Erfolgs.

 

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Obschon die Marke nur in einer Filmsequenz vorkommt, ist die Präsenz hier enorm. Insgesamt ist die Flasche Whiskey ca. zwei Minuten im Bild. Die Hälfte hiervon ist sie gut erkennbar und wird so abgefilmt, dass das Etikett der Flasche vollständig im Bild ist. Hinzu kommt eine positive verbale Nennung zu Beginn der Szene, sodass der Zuschauer während der ganzen Filmsequenz (von ca. 12 Minuten) die Flasche der Marke zuordnen kann.

Diese – für eine Getränkemarke – bereits außerordentliche Präsenz wird noch einmal aufgewertet. Der Whiskey ist in einen Plot Point integriert, der der Handlung des Films eine erste bedeutende Wendung gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden zunächst die Hauptfiguren – Tom Hanks als Charlie Wilson und Philip Seymour Hoffman als Gust Avrokotos – eingeführt. Wilson erkennt anhand eines Besuches in Afghanistan die Notwendigkeit eines umfangreichen Eingreifens der USA. In der genannten Filmsequenz kommen die beiden erstmals zusammen. Der Talisker dient Avrokotos dazu, Wilson gutmütig zu stimmen und wird entsprechend als „Königsgetränk“ gelobt. Eine besondere Spannung zieht die Szene dann aus dem Wechselspiel des Gespräches zwischen den beiden Männern. Avrokotos muss das Büro Wilsons mehrfach verlassen, da dieser ein Presseproblem mit seinem Stab lösen muss. Die Flasche steht in der ganzen Zeit gut sichtbar auf seinem Schreibtisch. Der Clou ergibt sich, als Avrokotos Wilson erklärt, dass die Flasche verwanzt ist und er die Gespräche mit dem Stab verfolgen konnte. Angesichts dieser Dreistigkeit erkennt der Politiker das Potenzial des CIA-Agenten. Sie trinken am Ende einen Schluck Whiskey und besiegeln so ihre Zusammenarbeit.

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Der Film erreichte weltweit ca. 17 Mio. Zuschauer. Diese verteilen sich auf Europa (ca. 3,6 Mio. Zuschauer, davon in Deutschland ca. 420.000), die USA (ca. 9,5 Mio. Zuschauer) und die weiteren Länder (ca. 3,9 Mio. Zuschauer). Der Film wurde von der Kritik sehr gut aufgenommen und erhielt eine Vielzahl von Nominierungen (u. a. für den Golden Globe).

Zudem war die Marke im Trailer des Films sichtbar und dürfte hier – genau wie über die Vermarktung auf DVD als auch die anlaufende Ausstrahlung Fernsehen – eine Vielzahl von weiteren Zuschauern erreicht haben. Allein die Free-TV-Premiere bei RTL am 4. Juli dürfte noch einmal ca. 3,5 Mio. Zuschauer erreichen.


Bilder:

Cover der DVD – Bildunterschrift: Der Krieg des Charlie Wilson (erhältlich als DVD)

Screenshot – Bildunterschrift: Wilson und Avrokotos besiegeln ihre Zusammenarbeit

Copyright der Bilder: Universal Pictures

Autor: Otto Kettmann von Kettmann & Partner