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Johannes Koeck über die positive Wirkung von James Bond auf Tirol

Cine Tirol Logo JPEGDie Realisierung eines Bond-Films wie Spectre ist "der Ritterschlag für jede Region". Johannes Koeck, Head of Cine Tirol Film Commission, spricht im Interview mit BEO-Autorin Sandra Freisinger-Heinl über die Ergebnisse des konsequenten Location Placements für die Tourismus- und Filmregion Tirol. Außerdem verrät er, wie sich die Drehs von "Hollywood" und "Bollywood" unterscheiden und welche Schauspielerin er persönlich gerne in die Tiroler Berge holen würde.

 

Johannes Koeck

BEO: Der aktuelle James Bond "Spectre" mit Daniel Craig lief "in allen Kinos." Wie hat sich die Präsenz von Tirol in diesem Film bisher ausgewirkt? 
Johannes Koeck:  Der James Bond-Film "Spectre" war eine unglaublich wichtige und große Produktion für unser Filmland Tirol. Wenn man bedenkt, dass der Film inzwischen weltweit 100 Millionen Kinobesucher verzeichnen konnte, kann man sich das vorstellen. 

Die Realisierung eines Bond-Films stellt den "Ritterschlag" für ein Land bzw. eine Region dar und wird auf lange Zeit positive Effekte auslösen. Die erfolgreiche Akquisition ist der Verdienst einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen Location Austria, Filmstandort Austria, Land Tirol, Gemeinden, Tourismusverbänden, Bergbahnen und Cine Tirol - und natürlich haben die ausgewählten Drehorte selbst wie das moderne Gletscherrestaurant IceQ hoch über Sölden und die traditionelle Architektur von Obertilliach ihren Beitrag zum Erfolg geleistet. 

Es hat mittlerweile sowohl vielversprechende Anfragen von anderen, nationalen und internationalen Produktionsfirmen für den Drehort Tirol gegeben als auch Anfragen von potenziellen Gästen für die kommende Sommer- und Wintersaison. 

Uns war es besonders wichtig, durch James Bond auch ferne Märkte mit Bildern und Botschaften aus Tirol zu erreichen, James Bond erfährt gerade in China eine große Begeisterung in der Bevölkerung, wie uns die Produktionsfirma  bereits im Vorfeld versichert hatte. Zudem hat China viele Filmproduktionen und einige davon wollen wir künftig gerne in Tirol zum Dreh zu Gast haben.

SPECTRE AustriaPhotoCall 08 rgb

BEO: Wie waren die Dreharbeiten zu "Spectre"? Welche PR Maßnahmen waren und sind vorgesehen
Johannes Koeck: Die Dreharbeiten dieser Hollywood-Produktion waren unglaublich exakt vorbereitet. Bereits im August kam ein achtzigköpfiges Produktionsteam nach Tirol, das sich alles genau angesehen und minutiös geplant habt. Und das ja nicht nur bei uns in Tirol: Denn gleichzeitig wurden die Drehpläne für die Drehorte Mexiko City, Rom, die Wüste in Marokko, sowie für die Außen- und Studioaufnahmen in London vor Ort erstellt - das ist eine logistische Meisterleistung! 

Gedreht wurde in Tirol dann zeitgleich an zwei Drehorten, auf dem Gletscher hoch über Sölden im Ötztal und im Osttiroler Bergdorf Obertilliach. Insgesamt war ein Team von fast 1000 Leuten vor Ort, darunter 550 internationale Filmschaffende, 250 Filmschaffende aus Tirol bzw. Österreich und dazu noch zahlreiche Komparsen. 

Speziell der Ötztal Tourismus und die Bergbahnen Sölden werden nun im Nachhinein ihre Drehorte für die Filmtouristen vorbereiten. Man hat sich dazu angesehen, wie dies ein paar andere Locations von früheren Bond-Filmen gemacht haben - wir sind sicher, dass unserer Kollegen aus dem Ötztal in jedem Falle sehr kreativ damit umgehen und tolle Maßnahmen für die filmtouristische Bewerbung setzen werden.

IceQ Sunset Bildnachweis Das Central

BEO: Dann können wir hier vielleicht im nächsten Winter "Martini gerührt und nicht geschüttelt" im Bergrestaurant Ice Q auf dem Söldener Gletscher gemeinsam mit Skifahrern aus China und der ganzen Welt genießen.
Wie hoch war das notwendige Budget, um die Bond-Produktion nach Tirol zu holen?
Johannes Koeck: Seitens Cine Tirol und Land Tirol wurde zur Akquisition von Spectre ein Produktionskostenzuschuss in der Höhe von  EUR 550.000,- zur Verfügung gestellt; diese Investition hat sich in jedem Fall gelohnt - in den Tiroler Regionen konnten durch die produktionsbedingten Ausgaben vor Ort  Einnahmen von über 8,9 Millionen EUR generiert werden. 

Hotels wurden gebucht, Bauten und Motivmieten finanziert, Honorare für lokale Filmschaffende und Komparsen bezahlt. Die Einnahmen reichen von der Logistik vor Ort, die in Anspruch genommen wird, vom Benzin für die Autos bis zu den Taxis, über die Verpflegung bis hin zur Briefmarke, die einer der Schauspieler kauft, um eine "Postkarte mit den schönen Tiroler Bergen" nach Hause zu senden.

BEO: James Bond war im Vorfeld also extrem gut geplant. Sie drehen jedoch mit vielen Filmproduktionen. Bei einem Vortrag auf dem ProPKo Product Placement Kongress in Stuttgart haben sie zum Beispiel "Bollywood" benannt. Was unterscheidet diese Produktionen untereinander?
Johannes Koeck: Bollywood, also die indische Filmfabrik, produziert eine riesige Anzahl von Filmen. Wir haben bereits vor langer Zeit festgelegt, dass wir uns um diese Produktionen bemühen wollen. Dies gibt natürlich schöne farbige Bilder, wenn Inder in ihren bunten Gewändern in den Tiroler Bergen drehen. Aber die Inder lieben unser Land und unsere Berge auch, als Kulisse, so dass wir häufig in deren Produktionen vertreten sind. Damit begeistern wir die Menschen in Indien vor Ort, aber auch die vielen Menschen, die international diese Filme ansehen.

Die Produktionen unterscheiden sich komplett von denen Hollywoods. In Indien passiert aus unserer Sicht vieles "intuitiv" und "spontan". Produktionstermine werden gerne auf unbestimmte Zeit verschoben. Ich  kann aber auch von einem Anruf eines Bollywood-Produzenten berichten, der wegen eines Drehs angefragt hat. Ich fragt ihn, wann der Dreh denn stattfinden sollte. Er meinte, "kurzfristig" und stand tatsächlich bereits in Innsbruck auf der Straße vor unserem Büro!

BEO: Welche Potentiale sehen Sie für Tirol national und international im Film Bereich in nächster Zeit? Johannes Koeck: Wir sind mit Cine Tirol nun seit 18 Jahren in diesem Bereich tätig und unterstützen von je her größere und kleinere Produktionen, große Blockbuster und kleine Independent-Filme im Kino, TV-Spielfilme und -Serien, Kurz- und Werbefilme. Wir setzen auf eine bunte Mischung und unterstützen alle, die sich für das Filmland Tirol interessieren. Wir bekennen uns zur Vielfalt filmischen Schaffens und bieten daher für die gesamte Bandbreite von Filmproduktionen die alpinen Drehorte Tirols an.

James Bond war ein Highlight im vergangenen Jahr, aber wir sind auch sehr stolz darauf, zwei deutsche Serien "Der Bergdoktor" und "SOKO Kitzbühel" bereits über einen langen Zeitraum hier in Tirol verortet zu haben; wir freuen uns aber auch über jeden "Werkstattfilm" und Werbefilm, der die vielfältigen Drehorte inmitten der Tiroler Bergwelt nützt.

BEO: Wie finden und interessieren Sie Produktionen für das Filmland Tirol?
Johannes Koeck: An die Filmproduktionen sind wir schon immer sehr aktiv herangetreten und haben ihnen die Möglichkeiten für Filmschaffende in Tirol aufgezeigt. Wir haben für dieses Jahr die Teilnahme an zumindest drei Filmfeste geplant: die Berlinale, das Filmfest in Cannes und das Filmfest in Shanghai. Ich war aber in der Vergangenheit auch bereits bei anderen internationalen Filmfestivals und Fachveranstaltungen, beispielsweise in den USA, Indien und Südkorea, um vor Ort für das Filmland Tirol zu werben.

Im Filmgeschäft passiert vieles über persönliche Empfehlungen, die über "Mund-zu-Mund-Werbung" weitergegeben werden. War ein Produzent und sein Team vor und hinter der Kamera am Ende des Drehs sehr begeistert über das Filmland Tirol und über die Drehzeit vor Ort, dann wird davon im Kreis der Kollegen erzählt. So schaffen wir es mit Tirol die Bergregion zu sein, die weltweit zu den beliebtesten Filmländern mit alpinen Drehorten zählt.

BEO: Was bringt das "Location Placement" der Region Tirol ganz konkret?
Johannes Koeck: Es gibt drei nachweisliche Effekte, die wir mit Location Placement erzielen konnten:
1. Ein wirtschaftlicher Effekt, der durch die Filmproduktionen vor und während der Dreharbeiten erzielt wird.
2. Ein medialer Effekt, durch die PR-Berichterstattungen, die von den Dreharbeiten und später über den fertigen Film erfolgen.
3. Ein filmtouristischer Effekt, der bei manchen Produktionen stärker und bei anderen schwächer ist. Aber jeder, wirklich jeder Film, hat das Potential für eine filmtouristische Bewerbung.

BEO: Nun noch etwas Persönliches. Nachdem Sie bereits den Action Held "James Bond" nach Tirol holen konnten, stellt sich uns die Frage, wen Sie noch gerne in Tirol haben würden. Wer steht "ganz oben auf Ihrer Wunschliste"?
Johannes Koeck: Seit ich die französische Schauspielerin Juliette Binoche in dem Film "Drei Farben blau" gesehen habe, bin ich beeindruckt von ihr: "eine Erleuchtung"! Es wäre ein großer Herzenswunsch, Juliette Binoche - für mich eine der großartigsten, wandlungsfähigsten und erfolgreichsten Schauspielerin der Welt im Filmland Tirol willkommen heißen zu können.

BEO: Wir drücken Ihnen ganz fest die Daumen, dass sich dieser Wunsch bald erfüllt. Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses interessante Interview.

Bildnachweise:
Fotos 1: Johannes Koeck; Cine Tirol
Foto 2: Spectre in Sölden;  2015 Columbia TriStar Marketing Group, Inc. and MGM Studios, Photo Credit: Alexander Tuma
Foto 3: IceQ; Das Central

 

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