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IN ECHT: Virtuelle Erlebnisse bei Getty

Getty 1Kürzlich trat eine Anfrage an mich heran, ob ich schon von der Partnerschaft zwischen Jaunt und Getty Images wisse und darüber berichten will. Ich hatte die Pressemitteilung aufgeschnappt und dachte mir: ein ziemlich cleverer Schachzug. Hier ein Interview mit Anthony Holland Parkin, Head of VR von Getty Images.

Schon seit ein paar Jahren verfolgte ich das amerikanische Unternehmen Jaunt, dass Branchenführer für hochklassige VR Inhalte ist. Sie sind schon seit 2013 weltweit unterwegs, um 360 Grad Inhalte der absoluten Spitzenklasse aufzunehmen und zu produzieren. Getty Images hingegen ist seit zwei Jahrzehnten mit Foto- und Videografen im Blitzlichtgewitter an den beliebtesten Spots der Welt, die man sich nur vorstellen kann: bei Events wie den Oscars, den Olympischen Spielen, Musikhighlights oder den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen, um nur einige zu nennen.

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Foto: 360° Bild von "Star Wars: The Force Awakens' - European Film Premiere - Red Carpet Arrivals" (Ben Pruchnie/360/Getty Images)

Eine Partnerschaft lag also ganz offensichtlich auf der Hand. Denn da VR als neues Medium bei aller Begeisterung noch in den Kinderschuhen steckt, braucht man die First Mover mit dem gewissen Vertrauensvorschuss, um an dem noch jungen, stetig anwachsendem Markt konkurrenzfähig zu sein. Für VR Anbieter mit Vorsprung an VR Experiences wie Jaunt ist es wiederum wertvoll, Partner mit einem festen Kundenstamm zu haben. Ich kann einen noch so tollen Inhalt produzieren - ohne den richtigen Publisher, ist er wertlos. Beobachtet man den Markt genau wird man feststellen, dass auch die großen Marken noch vorsichtig mit dem Einsatz von VR sind. Als Erstes wird ausgetestet, was als Bild oder Video auch schon gut funktioniert hat. Und da VR alles noch viel emotionaler macht und ich plötzlich mitten drin bin im Geschehen, hab ich ein viel intensiveres Erlebnis. Egal, ob ich plötzlich neben meinem Lieblingsschauspieler stehe oder auf dem Spielfeld beim Baseball, auf dem Mars oder in der Antarktis. Was für Möglichkeiten tun sich da für jeden von uns auf! Je nachdem wie die Interessen gelagert sind: Wenn ich beispielsweise Bergsport - Freak bin und virtuell die berühmte Eiger Nordwand hochklettern kann, dann ist das großartig. Mit diesem Projekt beispielsweise hat die Schweizer Marke MAMMUT einen der atemberaubendsten Orte der Erde für jedermann zugänglich gemacht. Wenn ich Spaß an schnellen Autos habe, bietet mir Mercedes-Benz eine virtuelle Rennfahrt als Beifahrer eines Testimonials in einem ihrer Sportwagen an. Und und, und … Beispiele dieser Art finden sich nun auch in großer Vielfalt im VR Angebot von Getty Images.

Noch mehr dabei sein, noch mehr mittendrin sein, obwohl ich es gar nicht wirklich bin! Das ist der Trick von VR. Aber ist ja gar „nicht echt“ höre ich die kritischen Stimmen einer Generation, die noch immer im Sog des linearen Fernsehens ist. Das „nicht echt“-Argument zählt nicht. Früher vertieften  sich die Leute in Bilder die nicht echt waren, dann in Filme, in denen sie selbst ja auch nicht „in echt“ drin waren, sondern als Zuschauer. Und jetzt kommt VR mit dem mittendrin sein ohne „in echt“ an dem Ort zu sein, den ich im Sichtfeld meines Headsets sehe.  Aber VR legt noch einen drauf, denn ich kann interagieren und selbst entscheiden, wo ich hinschaue. Kommt also dem echten Leben schon ziemlich nah. Und worum geht es hier eigentlich? Nicht nur um den Ersatz eines Erlebnisses, sondern um das Erlebnis selbst. Es geht um den Spaß am Erleben - ob echt oder nicht echt - Who cares? Wenn ich ein Traumata heilen kann, indem ich den Menschen mittels VR nochmal mitten durch das Erlebnis führe ist das zum Glück „nicht echt“. Aber unser Gehirn lässt sich betrügen, glaubt aufgrund der totalen Immersion es wäre echt und leitet die gewünschte Heilung ein. Ist doch toll. 

Letztens sehe ich ein T-Shirt mit dem Bild einer hübschen, im Instagram-Look gestylten, jungen Frau drauf. Da drüber steht in schwarzen Lettern „EVERYBODY LOOKS BETTER ONLINE“. Stimmt. Das social ICH in den Netzwerken, auf denen wir alle so unterwegs sind, ist auch nicht das „wahre, echte ICH“. Doch dieses inszenierte ICH - dieser FAKE gehört schlicht und ergreifend einfach zu unserem Online Leben dazu. Wir akzeptieren das, genauso wie wir akzeptieren etwas hautnah zu erleben ohne „in echt“ da zu sein. Neben dem Selfie der jungen Frau auf dem T Shirt steht noch der Spruch „PUT FILTERS IN YOUR LIFE“. Guter Hinweis. So kann ich aus jedem Erlebnis, und sei es noch so erschütternd, Online was draus machen. Oder andere erledigen das für mich und ich kauf es mir. Dann aber bitte nur die exklusiven Erlebnisse, die Guten und welche, die zu mir passen …

Getty Images bietet mir das aus erster Hand. Und sie sind da, wo die meisten von uns nicht hinkommen aber gerne sein wollen: an beliebten Plätzen, sensationellen Orten - bei Stars und den Schönheiten dieser Welt. Das zieht uns Menschen eben an: emotional gewaltige Szenen und Persönlichkeiten, die unsere tiefsten Sehnsüchte berühren. In der virtuellen Realität kann uns die ganze Vielfalt der unentdeckten Welt, sowie der Spirit weiser und aus der Ferne vertrauter Menschen hautnah zu Füßen liegen … was für ein Zugewinn!

In einem Interview mit Anthony Holland Parkin, Head of VR von Getty Images, ging ich der Sache mit der Partnerschaft noch ein bisschen tiefer auf den Grund: 

BEO: Wie bekommt ihr den Content an den Enduser, da diese ja noch keine VR Brillen zu Hause haben? 
AHP: Endbenutzer haben die Möglichkeit, 360-Grad-Videos auf ihren Smartphones/Tablets und PCs anzusehen. Beispielsweise mit einer Cardboard-Brille können Nutzer VR über ihr Smartphone erleben. Es hat sich gezeigt, 360-Grad-Videos und -Standbildern viel länger Aufmerksamkeit geschenkt wird als traditionellen Standbildern und Videos.

BEO: Wer hat alles Zugriff auf eure VR Inhalte?
AHP: All unsere redaktionellen Abonnenten haben Zugriff auf unsere 360-Grad-Videoinhalte. Bereits seit einigen Jahren erstellt Getty Images 360-Grad-Inhalte der wichtigsten Events und stellt diese seinen Kunden als kostenpflichtigen Service zur Verfügung. Jetzt sind sie jedoch im Rahmen unseres Kernangebots – und nicht wie zuvor als Spezialangebot – im Abonnement erhältlich. 

BEO: Wie sieht die Zusammenarbeit mit JauntVR aus?
AHP: Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Jaunt als Content-Partner. Das Unternehmen lizensiert seine 360-Grad-Videos über Getty Images, sodass unsere Kunden nun auch Zugang zu den immersiven 360-Grad-Videoerlebnissen von Jaunt haben. Diese Sammlung umfasst Clips aus der ganzen Welt, von Natur und Kultur bis hin zu Action-Abenteuern und Sport. Benötigt ein Kunde bestimmte Inhalte, die derzeit nicht im Archiv zur Verfügung stehen, kann er uns den Auftrag erteilen, die gewünschten 360-Grad-Inhalte für ihn aufzunehmen. 

BEO: Wie macht ihr Marketing dafür?
AHP: Wir nutzen die sozialen Netzwerke, um Werbung für unsere redaktionellen sowie von unseren Kunden in Auftrag gegebenen Arbeiten zu machen. In diesem Zusammenhang sind wir natürlich auch auf einigen Messen unterwegs, um die Werbetrommel für 360-Grad-/VR-Inhalte im Allgemeinen zu rühren. Auf unserer Website (www.getttyimages.com/vr) haben wir einen extra Bereich für VR. Dieser eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Nutzer, die sich genauer informieren und sich einige der verfügbaren Inhalte ansehen möchten.

BEO: In der Pressemitteilung steht: Getty Images stärkt seine Beziehungen mit Marktführern der Branche wie Oculus Rift … Was bedeutet „stärkt“ in diesem Fall? 
AHP: Prinzipiell sind wir bestrebt, unser 360-Grad-Angebot möglichst vielfältig anbieten zu können. Daher arbeiten wir mit zahlreichen führenden Marken (darunter auch Oculus Rift) zusammen, um 360-Grad-/VR-Standbilder und -Videos für deren Plattformen bereitstellen zu können. Außerdem schließen wir Verträge mit großartigen VR-Content-Partnern und -Anbietern wie Jaunt ab. So können wir eine erstklassige Plattform für 360-Grad-/VR-Lizenzen aufbauen. Unsere Kunden verwenden die interaktiven Inhalte sowohl für Smartphone- als auch für Headset-Erlebnisse. Mit unserem Angebot an redaktionellen, lizenzfreien und lizenzpflichtigen („rights-ready“) Modellen verfügen wir über 360-Grad-/VR-Inhalte, die sich für alle Anwendungen eignen.

BEO: Bis jetzt finde ich knapp 1000 360 Grad Videos auf den Webseiten von Getty Images. Da ist wahrscheinlich alles mögliche dabei. Was sind die Hauptthemen?
AHP: Derzeit sind wir noch im Auf- und Ausbau unseres Angebots. Neben den 25.000 360-Grad-Standbildern, die bereits heute verfügbar sind, erweitern wir unser Angebot an 360-Grad-Videomaterial kontinuierlich. Viele unserer redaktionell arbeitenden Fotografen sind mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet, um die größten Ereignisse der Welt so immersiv wie möglich festhalten zu können. Beispielsweise haben wir bei einem Großteil der wichtigsten Preisverleihungen und Events der Entertainmentbranche 360-Grad-Videos gedreht. In den Nachrichten haben wir ebenso zahlreiche Themen abgedeckt, wie beispielsweise die Amtseinführung in den USA. Unsere Sammlung umfasst auch Material der wichtigsten Orte, Reiseziele und Sehenswürdigkeiten rund um den Globus, wie atemberaubende Luftaufnahmen von Vulkanen oder einsamen Stränden in der Karibik. Nicht zu vergessen sind unsere wunderschönen 360-Grad-Inhalte aus der Tierwelt, über Pinguine in der Antarktis bis hin zu lachsfangenden Bären in Russland.

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Foto: Layoutbild von dem 360° Video der USA Amsteinführung (Joe Raedle/Getty Images)
Den Link zum Video finden Sie hier

BEO: Was habt ihr für Kunden und wie werden sie auf euch aufmerksam?
AHP: Wir haben die unterschiedlichsten Kunden aus der ganzen Welt. Sowohl der Bildungs- als auch der Technologiesektor zählen zu den führenden Kundensegmenten. Redaktionelle Kunden aus dem Verlagswesen und Rundfunk zählen ebenso zu wichtigen Käufern. Darüber hinaus sind Kunden aus dem Sport-, Unterhaltungs- und Reisesektor starker Auftraggeber. Als wir im vergangenen Jahr auf dem Cannes Lions-Festival die Gründung unserer VR-Abteilung angekündigt haben, ist dies bei unserem internationalen Kundenstamm und der Fachpresse auf großes Interesse gestoßen. Inzwischen haben wir eine eigene Landing-Page für VR erstellt: www.gettyimages.com/vr, auf der sich unsere Kunden mit den vorhandenen Inhalten vertraut machen können und wir ihnen regelmäßig neue 360-Grad-Inhalte und Auftragsdienste vermitteln.

BEO: Bleibt es dabei die Inhalte auf der Website zu hosten oder wollt ihr eine eigene Platform dafür erstellen? 
AHP: Wir bei Getty Images erachten 360-Grad-/VR-Inhalte als wichtigen Teil unseres Angebots an Inhalten und Services, die wir unserem Kundenstamm anbieten. Wir wollen, dass 360-Grad-/VR-Inhalte so einfach wie jedes andere Bild oder Video lizenziert oder in Auftrag gegeben werden können. Daher werden sie neben unseren Standbildern, Videos und Musikinhalten auf www.gettyimages.com gehostet und zur Verfügung gestellt.

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Foto:Layoutbild von dem 360° Video "Inside the Pinguin Colony" (AirPano/Getty Images)
Den Link zum Video finden Sie hier

BEO: Wollt ihr die Bandbreite eurer Angebote vergrößern? Welche Vision verbindet ihr mit dem Thema VR? Wie glaubt ihr werden die Leute in 10 Jahren Inhalte konsumieren?
AHP: Unser Anspruch ist es, die Menge und die Vielfalt an 360-Grad-/VR-Inhalten, die über Getty Images erhältlich sind, weiter zu erhöhen und gleichzeitig mit den kontinuierlichen technologischen Neuerungen des Mediums Schritt zu halten. Durch beispielsweise die Vereinfachung des Stitching (das Erstellen einer großen Fotografie aus vielen kleinen Einzelaufnahmen) und immer kleineren sowie einfacher zu bedienenden 360-Grad Kameras, werden 360-Grad-Aufnahmen schon bald alltäglich sein. Die Bildauflösungen werden zunehmend besser. Stereoskopische 360-Grad-/VR-Aufnahmen werden immer leichter verfügbar und sowohl Facebook als auch Microsoft arbeiten an volumetrischen Aufnahmen. All diese Neuerungen bieten großes Potenzial für unsere Kunden, die Wert darauflegen, dass sich ihre Marken und Geschichten von der Konkurrenz abheben.

Was die Zukunft von VR betrifft, sind Haptik und nicht kabelgebundene Headsets mit höherer Auflösung die nächsten Schritte. Die volumetrische VR mit sechs Freiheitsgraden wird die Entwicklung der nächsten Jahre bestimmen und die Möglichkeiten der Interaktion und Immersion deutlich erhöhen. All dies sind Entwicklungen, die auch großen Einfluss auf unser Angebot haben werden. 

BEO: Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit VR gemacht? Glaubt ihr VR hat heute schon eine Relevanz im BtoC Bereich? Wenn ja, warum?
AHP: Seit der Gründung unserer VR-Abteilung haben wir zahlreiche VR-Erlebnisse festgehalten, wie beispielsweise die Olympischen Spiele in Rio, den Haka-Tanz der neuseeländischen Rugbymannschaft All Blacks sowie einen Großteil der wichtigsten Preisverleihungen im Jahr 2017, darunter die Grammys und Oscars.

VR ist für B2C maßgeschneidert. Es ist zu beobachten, dass es weitaus beliebter ist, 360-Grad-Inhalte in den sozialen Netzwerken zu teilen als normale Inhalte. VR kann sehr emotional sein, da der Benutzer das Gefühl hat, sich körperlich und mental in der Umgebung und der Situation zu befinden. Das ist für die Marken äußerst attraktiv, die eine engere Verbindung mit ihren Kunden aufbauen möchten.

BEO: Vielen Dank für das Interview. 

Das Interview führte BEO-Autorin Maren Courage.