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Fünf Branded Content & Entertainment Lions für Deutschland

cannes lions innovationDeutschland schnitt bei den Branded Content & Entertainment Lions in Cannes so gut ab wie noch nie: Gold und Bronze gingen an das „Mediamarkt Hasenrasen“ (Ogilvy Frankfurt, Endemol Beyond Köln), bei dem zu Ostern Hasen mit lustigen Namen live im TV gegeneinander antraten. Gold auch an den Social Case „Nazis gegen Nazis“ des ZDK (GGH Lowe/Grabarz Hamburg),  Silber an „Berlin Wall of Sound“ für Soundcloud (Grey Düsseldorf und Berlin). Bronze gab es für die witzigen „Wifi Dogs der Telekom“ (DDB Berlin).  BEO sprach mit dem deutschen Jurymiglied Stefan Setzkorn, Geschäftsführer Track Hamburg, und mit Jurypräsident David Lubars, CCO BBDO Worldwide, über die Awards.

 

Cannes Lions Bühne David Lubars

Foto: Die neue Cannes Lions Bühne bei den Awards. Alle Felder können einzeln bespielt werden.

Insights in die Jury
Die Jury ist objektiv,  so der deutsche Juror Stefan Setzkorn von der Agentur Track, die aus Rapp Germany entstand und zum BBDO Netzwerk gehört. Aber natürlich bringt man den einen oder anderen deutschen Case, den man kennt und gut findet, dort nochmals zur Sprache und erläutert. Setzkorn schätzte den Juryprozess sehr, wenn er auch bedauerte, dass in dieser Kategorie nicht so viele Kreative mit dabei waren, wie in anderen Juries.  Oft wurde bereits am Anfang zur Diskussion gestellt, was der Case denn tatsächlich bewirkt habe, so Setzkorn. 

Die Tatsache, dass in diesem Jahr mindestens genauso viele Social Cases prämiert wurden, wie die für Marken, sieht er positiv. „Wir arbeiten für Marken, aber wenn wir etwas Gutes tun können, so sollte man das wertschätzen“, meint der Kreative. Wir haben einige Gold Cases ausgewählt, die Stefan Setzkorn und BEO  besonders spannend fanden und die wir Ihnen gerne kurz vorstellen wollen.

Ein Auszug aus den Gold Cases

In „The Gun Shop“, wird ein realer und ein digitaler Waffenladen gezeigt, in dem Gewehre verkauft werden, mit denen bereits jemand getötet wurde. „Dies ist das Gewehr, mit dem der fünfjährige damals (...,)“, so schockt der Verkäufer die ahnungslosen Kunden in den USA, die sich eine Waffe zulegen möchten. Eine Kampagne von Grey New York um auf Waffengewalt aufmerksam zu machen.

In „Fighting Hunger Worldwide“ reißt Fußballstar Ibrahimovic im Spiel sein Trikot herunter, nimmt die gelbe Karte in Kauf und zeigt seine 50 Tattoos, die auf den Hunger in der Welt aufmerksam machen. Gestaltet wurde dies von Forsman & Bodenfors, Schweden.

L’Oreal begeistert  mit der App „Make-up Genius“, eingereicht von McCann, Frankreich. Damit können Frauen in Echtzeit im Selfie-Video-Modus ausprobieren wie Make-up Produkte auf ihrem eigenen Gesicht aussehen.

Es gab noch Lustiges mit tieferem Sinn, wie die „Ice Bucket Challenge“, die auch den „Grand Prix for Good“ erhielt,  sowie Lustiges ohne tieferen Sinn,  wie die  3-Second „Cooking Shrimp Frying Cannon“.  Ferner einen Case, die seltsam berührte, wie die Zeitschriftenausgabe des Vangardist Magazine, Saatchi & Saatchi Schweiz, die mit dem Blut HIV positiver Menschen gedruckt wurde. 

Außerdem neue technische Assets im Branded Entertainment Bereich, wie die spanische Demonstration „Holograms for Freedom“.  Die Spanier hatten ein Demonstrationsverbot, also sandten sie kurzerhand Hologramme, die Demonstranten darstellten, auf die Straße. 

Da sollte doch eigentlich etwas dabei sein, das einen Grand Prix in dieser Kategorie wert ist.

Jurypräsident David Lubars über den fehlenden Grand Prix 
Jurypräsident David Lubars, Chief Creative Officer BBDO Worldwide, erläutert im Video mit BEO warum nun zum zweiten Mal in Folge in dieser Kategorie kein Grand Prix vergeben wurde. Bereits 2014 entschied die Jury unter Präsident Doug Scott, Ogilvy USA, keinen Kategorie-Sieger zu benennen.

David Lubars meinte, heuer hätten sie es wirklich versucht, einen Konsens zu finden. Er ist jedoch der Meinung, ein Grand Prix sollte nicht nur der beste Case aller goldenen Löwen sein, sondern tatsächlich etwas „absolut Herausragendes“ prämieren. Da konnte die Jury keinen nominieren. 

David Lubars  äußert sich fim Video übrigens auch darüber, daß er die deutschen Beiträge für gut durchdacht hält  und dass sie ihm gefallen.

Ein richtiger Grand Prix hätte der Branche genützt
BEO findet, dass es der Branded Entertainment Branche insgesamt genützt hätte, hätte man sich auf einen Grand Prix einigen können. So bleibt immer der „unangenehme Beigeschmack“, dass diese zwar noch relativ neue Kategorie, die jedoch trotzdem Einfluss auf alle anderen Kategorien hat, nicht wirklich ernst genommen wird.

Einer der Gründe dafür ist darin zu sehen, dass Social Cases keinen Grand Prix bei den „Branded Content & Entertainment Lions“ erhalten können. Und wenn in einer Kategorie, in der es Brands geht, plötzlich Social Cases die Gold Lions Liste dominieren, dann ist es sicher schwierig, sich unter den restlichen Cases auf einen einzigen zu einigen.

Generell findet man oft gute Branded Entertainment Cases in der Gold-Listen anderer Kategorien, wie zum Beispiel „Dell Tough Enough“ (Mediacom). Dies war auch im letzten Jahr bereits der Fall mit „Volvo Epic Split“ (Forsman & Bodenfors). Deshalb wäre hier unseres Erachtens eine genauere Definition der Kategorie „Branded Content & Entertainment“ wünschenswert, um die Einreichungen und vor allem die Jurywertungen besser zu begleiten.

In diese Richtung zeigt auch, wie Jurypräsident David Lubars die „Branded Content & Entertainment“-Kategorie in der Pressekonferenz beschrieb: „It transcends, it’s just how the world is today. It is more a Theme then a Category with a lot of winners“.

Cannes Lions Stefan Setzkorn Sandra Freisinger-Heinl

BEO-Autorin Sandra Freisinger-Heinl mit Jurymitglied Stefan Setzkorn, Track Germany bei im Press Center der Cannes Lions.

Fotos und Video: BEO/SF

BEO-Autorin: Sandra Freisinger-Heinl

 

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