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Was der Markt von der Pop Up Agency lernen kann

BEO popup logoSeit 2012 gibt es die junge Pop Up Agency mit Sitz in London und dem ungewöhnlichen Geschäftsmodell des 5-köpfigen Teams. Ihre Arbeit: Sie liefern ihren Kunden Ideen zu Konzepten oder Strategien und durchlaufen dabei den gesamten kreativen Prozess in 48 Stunden. Kunden waren zum Beispiel Facebook, Coca Cola, oder Saint Laurent Paris. Abraham Asefaw und Maksimilian Kallhed waren Redner bei der diesjährigen Eurobest in Helsinki. Dort haben wir sie zu einem persönlichen Gespräch getroffen.

 

BEO PopUp SB Foto

Foto: Maksimilian Kallhed, Pop Up Agency (li.), Sophie Berke (BEO), Abraham Asefaw, Pop Up Agency (re.)


BEO:
Auf der Eurobest wird dieses Jahr viel über kulturelle Unterschiede in Marketingansätzen und den Trend zu globalen Kampagnen gesprochen. Was denkt ihr darüber?
Maksimilian Kallhed: Ich selbst bin in der schwedischen Kultur verwurzelt, sehe mich aber als globalen Bürger an. Ich denke, so geht es vielen Menschen, die zu der Zielgruppe der Millenials gehören. Wir sind heute alle gleich, teilen zum Beispiel in Japan wie in Schweden den selben Musikgeschmack. Wenn wir uns in unserer Arbeit z.B. auf Hipsters aus Singapour konzentrieren, dann werden es dieselben Hipsters sein, wie die in New York, in London und in Stockholm. Unterschiede bestehen zwischen ihnen dann zwar in ihren kulturellen Wurzeln, aber die Lebenseinstellungen ähneln sich.


BEO:
Euer Geschäftsmodell bringt euch dazu, verschiedene Unternehmen bzw. Kunden rund um die Welt kennen zu lernen. Bedeutet es für euch viel Aufwand, sich jeweils an die kulturellen Unterschiede in der Arbeitsweise anzupassen, damit ihr euren Auftrag erfüllen könnt?
Abraham Asefaw: Schon. Wir begegnen immer wieder Stereotypen. Die Niederländer sind in ihrer Kommunikation zum Beispiel sehr direkt. Für uns Schweden, die im Gegenteil oft sehr vorsichtig sind, kann das sehr ungewohnt sein. Letztendlich passen wir uns immer an.
Maksimilian Kallhed: Das ist etwas, das ich immer wieder sagen muss: Wir als Pop Up Agency werden wirklich zu Spezialisten in der Anpassung. In unserem Workshop bei der Eurobest haben wir z.B. betont, dass es wichtig ist, dem Ziel zu folgen und nicht der Strategie. Wir passen uns immer wieder Problemen und auch kulturellen Hindernissen an, während wir versuchen das Ziel zu erreichen. Das wäre um einiges schwieriger, wenn wir uns dabei an eine Strategie halten müssten.


BEO:
Ihr bietet ja eine Dienstleistung an, die aus verschiedenen Schritten besteht: In 48 Stunden bearbeitet ihr Brief, Research, Ideation, Prototyping, User Testing, Treatment und Pitch. Wie ist die Entscheidung für genau diese Schritte entstanden?
Abraham Asefaw: Wir hatten die Idee für dieses Geschäft und haben sie recht schnell entwickelt. Dann habe ich einen Freund angerufen, der ein Start-Up hat und habe ihn gefragt, ob wir unser Geschäftsmodell an seiner Firma ausprobieren könnten. Und bei diesem ersten Briefing ist alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Wir dachten, dass wir die besten wären und sind da extrem naiv herangegangen. Wir haben es dann trotzdem im völligen Chaos geschafft, diesen Auftrag in 48 Stunden zu lösen. Was gut war: Danach haben wir uns zusammengesetzt und reflektiert, was alles schief gelaufen ist. Und das hat uns am Ende dazu gebracht, das Modell zu entwickeln mit dem wir heute arbeiten.
Maksimilian Kallhed: Bei unserem nächsten Auftrag sind wir dann ein bisschen besser geworden und auch danach Schritt für Schritt besser. Letztendlich haben wir ein Experiment gemacht und daraus gelernt. Um unser Geschäftsmodell im Detail weiter aufzubauen, haben wir eine Tour gemacht und unsere Dienstleistung sämtlichen Firmen angeboten, um sie in der Praxis auszuprobieren. Auf der Tour ist dann z.B. das Element des Treatments in unserem Prozess dazu gekommen. Und das, weil ein Kunde uns um ein Treatment gebeten hat, um unsere Idee vereinfacht darzustellen.
Abraham Asefaw: Am Ende war es ein typischer Start-Up Prozess, den wir erlebt haben. Es ging darum, das Produkt auf den Markt zu bringen und es dort so schnell wie möglich zu testen und zu verbessern. Wir sehen uns auch immer noch als Start-Up, weil wir extrem flexibel sind und ständig bereit, uns weiterzuentwickeln und zu lernen. Viele große und erfolgreiche Unternehmen sind so festgefahren in ihrem Modell, wir dagegen mögen es uns treiben zu lassen, wir sind ständig in Bewegung.


BEO: Im Grunde genommen seid ihr eine ganz schöne Konkurrenz, dadurch, dass ihr euch ständig verändert und in Bewegung bleibt.

Abraham Asefaw: In gewisser Weise schon. Ich denke aber, dass es in Zukunft noch viel mehr von unserer Sorte geben wird. Kleine Firmen, Start-Ups, Selbstständige, die plötzlich auf dem Markt erscheinen. Es gibt auch schon andere, die dasselbe anbieten wie wir. Unsere Besonderheit ist aber, dass wir im Pop Up-Stil arbeiten, das ist unser USP.
Maksimilian Kallhed: Mit ständiger Veränderung und Bewegung haben wir angefangen zu arbeiten und führen diesen Stil auch automatisch fort. Tatsächlich ist es ein wichtiges Element, über das wir gemeinsam regelmäßig reden, denn es gehört zu unseren persönlichen Bedürfnissen. Stillstand langweilt uns und das teilen wir Gründer von der Pop Up Agency miteinander.
Abraham Asefaw: Das ist eine Charaktereigenschaft, die die Generation der Millenials ausmacht. Die ältere Generation arbeitet gerne besonders strategisch, in Modellen und mit eher schleppenden Veränderungen. Unserer Meinung nach ist diese Arbeitsweise aber ein Auslaufmodell. Die nächsten Generationen werden immer mehr Geschwindigkeit, Flexibilität und flache Hierarchien auf den Markt bringen. Das sehen wir im Moment daran, dass es so viele Start-Ups da draußen gibt. Ihnen ist egal, was andere über sie denken, sie wollen ihre Arbeit mit ihrer Leidenschaft verbinden und ihren eigenen Weg gehen, ihr eigener Chef sein.


BEO:
Das erinnert mich an den gestrigen Vortrag von Guy Abrahams von ZenithOptimedia, in dem er zu „The pursuit of happiness“ über die Millenials als „Me-generation“ gesprochen hat.
Maksimilian Kallhed: Ja, wir saßen selbst im Publikum und haben uns in allem, was er gesagt hat, wieder erkannt. Er hat die Dinge auf den Punkt getroffen.
Abraham Asefaw: Und das wichtige dabei ist, dass wir gleichzeitig Respekt vor der Arbeitsweise der älteren Generation haben, und möchten gerne mit ihnen zusammen arbeiten. Jeder muss einfach seinen eigene Stil finden und dabei die Balance wahren.
Maksimilian Kallhed: In unserem Umfeld kennen wir so viele Leute, mit denen wir zum Beispiel studiert haben, die in großen Unternehmen arbeiten und dort viel Geld verdienen, am Ende des Tages aber einfach unglücklich sind, weil sie nicht ihren eigenen wahren Bedürfnissen folgen. Frühere Generationen haben sich in ihrer Jugend Langzeit-Ziele gesetzt. Wir dagegen leben eher im Moment, wir wollen das genießen, was wir jetzt machen. Wer weiß, was am Ende wird? Darüber wollen wir uns jetzt keine Gedanken machen.
Es gibt Forschungsergebnisse die belegen, dass die Generation der Millenials die unglücklichste und depressivste aller Zeiten ist. Ich kann es mir nur so vorstellen, dass das genau die Menschen sind, die nicht ihrem eigentlichen Weg folgen, die eine Arbeit ausführen, die in Wahrheit nicht ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht und nicht von ihrer Intuition geleitet ist.
Abraham Asefaw: Das schwierige ist, dass es sehr beängstigend sein kann, das auszuversuchen was man tatsächlich machen will. Es ist mit Risiko und Unsicherheit verbunden und man muss wirklich Mut beweisen. Das ging uns selbst nicht anders.


BEO:
Ihr bezeichnet euch selbst als Start-Up. Was macht denn für euch ein Start-Up genau aus?
Maksimilian Kallhed: Das ist ein Thema, über das wir oft mit Leuten sprechen. Für mich ist selbst Google noch ein Start-Up, weil sie die Start-Up-Mentalität haben, sich ständig verändern und anpassen zu wollen. Ein Start-Up ist für mich ein Unternehmen, das die Augen immer offen hält und progressiv ist, das einfach immer besser werden will.
Abraham Asefaw: Uns ist selbst auch bewusst, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Die Idee ist da und sie ist gut, aber wir müssen noch viel tun. Unser Unternehmen wird in den nächsten Jahren wachsen, wir werden einen Standort in New York aufbauen. Wir denken an 15, aber maximal 20 Mitarbeitern insgesamt.
Maksimilian Kallhed: Tatsächlich müssen wir darauf achten, dass wir ein kleines Unternehmen bleiben, um uns in der Geschwindigkeit entwickeln zu können, die wir uns vorgenommen haben.

Abraham Asefaw: Was man noch erwähnen sollte, ist dass wir während unseres ersten Jahres als Pop Up Agency noch studiert haben. Erst als wir mit dem Studium fertig waren, haben wir unsere Agentur offiziell gegründet, also im zweiten Jahr.
Maksimilian Kallhed: Und das ist etwas, was wir allen jungen Gründern da draußen nur empfehlen können: Nutzt diese Vorteile der Studienzeit um eure Idee zu entwickeln und auszuprobieren. Ihr habt Zeit und kaum Risiken. Denn später wird es nur immer schwieriger.


BEO:
Wo wollt ihr inhaltlich in Zukunft hin?
Maksimilian Kallhed: Wir möchten im Grunde genommen weiter an unserem Angebot arbeiten und in jedem Bereich immer besser werden. Dazu soll dann das Prototyping stärker entwickelt werden. Wir möchten den Kunden am Ende die Idee und den Prototypen anbieten können, und der Kunden kann dann mit der Produktion beginnen.
Abraham Asefaw: Wir möchten auch weiterhin verstärkt Start-Ups unterstützen, ihr Unternehmen auf den Markt zu bringen. Denn wir wollen mehr von ihnen sehen, wir freuen uns über Konkurrenz, weil das zu Entwicklung führt. Im Moment sind wir mit unserem Konzept alleine am Markt. Und das ist mit ein Grund dafür, warum wir unsere Vorgehensweise auch so offen präsentieren und Workshops anbieten, um sie zu lernen. Wenn es mehr von uns gibt, kommen wir selbst als Agentur besser voran. Wovor ich Angst habe, ist dass es viele Leute wie uns gibt, die dann den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen.


BEO:
Als letzte Frage an euch: Was nehmt ihr von der Eurobest mit nach Hause?
Maksimilian Kallhed: Vor allem Bestätigung. Es war großartig, hier so viel Interesse und Unterstützung zu erleben. Das stärkt uns in unserem weiteren Weg. Und das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und hier etwas Gutes schaffen.
Abraham Asefaw: Dem stimme ich voll zu. Und jetzt, wo unsere eigenen Vorträge hinter uns liegen und ich die Gelegenheit hatte, selbst Seminare zu besuchen, wird mir noch klarer, dass es mehr von unserer Sorte auf solchen Kongressen geben muss. Mehr Menschen, die nicht nur ihre Projekte vorstellen, sondern von denen man auch Neues lernen kann.


BEO:
Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft noch viel von euch sehen und hören werden. Vielen Dank für eure Zeit!


Foto: Eurobest
BEO-Autorin: Sophie Berke