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Studio 71-Geschäftsführer Ronald Horstman über ‚Likes in 97% der Fälle‘

BEO Studio 71 LogoBEO interviewte Ronald Horstman, Geschäftsführer von Studio 71, dem Multi-Channel-Network von ProSieben SAT.1 auf der MIP Digital Fronts in Cannes. Der digitale Experte verrät uns, dass es bei  Studio71 künftig „mehr Content für Frauen“ geben wird, warum ihm persönlich „Let’s Play Poker so gut gefällt“ und wieso „Likes“ und eine gute Fanbase“ die entscheidende Währung dafür sind, dass Storytelling für Brands funktioniert ….

BEO: Wir freuen uns auf Deine Einblicke in die Arbeit des Multi-Channel-Networks Studio 71. Du kommst aus der Musikbranche. Ziehst Du deshalb gerne den Vergleich vom „modernen MCN“  zu einer „altmodischen Plattenfirma“?
Ronald Horstmann:
  Ein Multi-Channel –Network nimmt  im Grunde genommen eine ähnliche Funktion war, wie die Labels für Musikkünstler. Wir kümmern uns um die Künstler und Unternehmen, die erfolgreich werden wollen - natürlich  im Online-Videobereich. Wir nehmen die Aufgaben wahr, die man besser wahrnehmen kann, wenn man mehrere Künstler gemeinsam betreut,  als es die Künstler individuell für sich selbst können.

Dazu gehört zum Beispiel ein professionelles Channel-Management, für das wir eine eigene  Abteilung haben.  Dazu  gehört aber auch auch die Produktion. Wir produzieren gemeinsam mit unseren Künstlern  Inhalte die wir dann über mehrere Plattformen (YouTube und MyVideo) verbreiten  Zudem übernehmen wir die   Vermarktung, z.B. über Preroll- Ads, die wir  im Umfeld der Videos gemeinsam mit dem Vermarkter SevenOne Media  schalten.

BEO: Stichwort „SevenOne Media“, mit denen ihr gemeinsam MyVideo macht.  Ich nehme an,  „Dein Herz schlägt für MyVideo“, richtig? 
Ronald Horstman:
  MyVideo ist für uns eine wichtige Distributionsplattform, vor allem für unsere Live-Sendungen. Wir produzieren zum Beispiel  das erfolgreiche Format „Let’s Play Together“  zusammen mit  unseren  „Let’s Playern“ Gronkh  und Sarazar. Sie läuft jeden Freitag  um 18 Uhr auf MyVideo und  hat dort „wahnsinnig schöne Einschaltquoten“, wie wir in der TV-Sprache sagen würden.

Wir unterscheiden uns als  MCN  auch dadurch von anderen MCNs,  dass wir diese Distributionsplattform zusätzlich zu Youtube anbieten können.

BEO: Ihr  produziert einige erfolgreiche Webserien. Was ist derzeit in der Pipeline?
Ronald Horstmann:
Also wir haben uns in der Anfangsphase von Studio 71 stark auf das Thema „Gaming“ fokussiert. So haben haben wir viele erfolgreiche Gaming-Inhalte und auch Gaming-Events produziert, wie zum Beispiel das große „Let’s Play Together-Event“ auf der Gamescom im letzten Jahr mit 4.000 Live-Zuschauern. Außerdem „Last Man Standing“, bei dem zwei „Let’s Player-Teams“ gegeneinander antreten.  Das ist ein  irrsinnig erfolgreiches Event, das über acht Stunden  läuft und jetzt bereits zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Das zeigt uns, dass das, was wir in Zusammenarbeit mit unseren Künstlern vorhaben, gut funktioniert.


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Wir wollen nun neben Gaming auch weitere „verticals“ aufbauen und da ist  derzeit auf das Frauensegment interessant. Ich kann noch nicht allzu viel dazu sagen.  Aber das was Frauen interessiert und vor allem, was Frauen im Bereich Online-Video interessiert, sind die Themen „Fashion“ und „Beauty“. In diese Richting wird es gehen

Was ich selber extrem spannend finde ist, dass ein Teil unserer Produktionsmannschaft demnächst für unser Projekt „The Mansion“ eine längere Zeit in den USA verbringen wird. Wir werden mit  unseren Künstlern und mit ausländischen Künstlern (zum Beispiel von unserem strategischen Partner „Collective Digital Studios“) Inhalte zu produzieren, die dann über YouTube verbreitet werden. Das schöne an L.A.  ist, dass „das Studio sozusagen direkt draußen vor der Tür ist“. Dort finden so viele tolle Sachen statt, die man mit der Kamera begleiten kann, wie zum Beispiel die weltweit größte Gaming-Messe E3.

BEO: Sehr spannend. Welche Rolle spielt Branded Content bzw. Branded Entertainment für Euch? Gerade im Web hat man viele Möglichkeiten etwas mit  Brands zu realisieren.  Wie sieht Studio 71 das?
Ronald Horstman:
Wir sehen eine steigende Nachfrage nach Branded Entertainment-Konzepten bei Brand Partnern.  Marken wollen immer  häufiger neben der traditionellen Werbung Stories erzählen, die viral verbreitet werden sollen.

Wir sagen immer, wir leben in einer Gesellschaft, die entweder „liked“ oder „disliked“. Das „Blöde“ ist aber in jedem Fall, dass, egal ob „ge-liked“ oder „ge-dis-liked“ wird,  wird„ge-shared“ .  Als Marke ist man, glaube ich, dann mit der Situation konfrontiert, dass man gerne zu der „Liker-Gruppe“ gehören möchte.

Wir als Studio 71 und unsere Partner produzieren sehr viele Inhalte für das Web. Wir haben in den letzten Monaten bei den Bewertungen  die reingekommen sind nachgesehen, „wieviele davon war positiv“ und „wieviele davon war negativ“. Und „ge-liked“ wurden wir in 97% der Fälle.

BEO: Das ist ein cooles Ergebnis.
Ronald Horstman:
Genau und das macht uns sehr attraktiv für Brand-Partner. Wir  haben „die Gesichter“, die viral sind. Wir haben „die Gesichter“, die nicht nur Zuschauer über viele Zuschauer verfügen, sondern auch eine sehr starke Fanbindung haben und „die Gesichter“, die selber sehr viel Kreativität in gewisse Sachen reinbringen. Das bietet Potential für Markenpartner.

BEO: Um das noch ein bisschen konkreter zu machen. Hast Du schon irgendein Firmenbeispiel oder ist derzeit irgendwas in Vorbereitung?
Ronald Horstmann:
Wir haben die erfolgreiche Serie „Let’s Play Poker“ am Laufen. Das ist ein Event, das wir mit der Brand „Pokerstars.de“ durchführen. Die vorletzte Sendung wurde auf den Bahamas gedreht, mit vielen bekannten Gesichtern aus dem Web und aus dem TV. Moderiert wurde  das Format von Nela Lee, (taff) und mit am Start warenGronkh und Sarazar, Kelly MissesVlog und Fabian Siegismund.

BEO: Und wer gibt Euch in der Regel die Aufträge dazu, wenn es um eine Zusammenarbeit mit Firmen geht? Ronald Horstman: Der Auftrag kommt in der Regel über unser Vermarkter SevenOne Media.

BEO: Hast Du einen eigenen „Lieblings-Branded-Content“, den sich unsere Leser mal ansehen könnten?
Ronald Horstman: Ja, das ist tatsächlich die Sendung „Let’s Play Poker“. Ich finde sie ein sehr gelungenes Beispiel dafür,  wie man viele Künstler zusammenbringen kann, die insgesamt  eine hohe Reichweite generieren und dabei trotzdem „sie selbst bleiben“ - und auch noch eine schöne Zeit miteinander verbringen. 

 

BEO Ronald Horstman Studio 71 Sandra Freisinger-Heinl

Foto: BEO-Autorin Sandra Freisinger-Heinl traf Ronald Horstman im VIP-Club auf der MIPTV in Cannes, wo in diesem Jahr die erste MIP Digital Fronts stattfand.

BEO: Nun zur MIPTV.  Was hast Du persönlich von der neuen MIP Digital Fronts, bei der es vor allem um Digitalen und um Branded Content geht, erwartet?
Ronald Horstmann: 
Ich finde es interessant, dass sich jetzt einer der größten Content-Märkte weltweitmit dem Thema Multi-Channel-Networks befasst. Das ist eine sehr interessante Entwicklung und sie zeigt mir „ein paar Dinge“. Die Creator, die auf den Online-Plattformen und vor allem auf YouTube unterwegs sind  werden  von den großen Playern auf dem Markt ernst genommen und das ist eine sehr gute Sache.

Deshalb finde ich es sehr schön, dass wir jetzt so eine Art Plattform gefunden hat, auf der alle Player zusammengebracht werden und  auf der man sich auch mit internationalen Playern über die Situation in den unterschiedlichsten Märkten austauschen kann.  Das ist meine Erwartung, dass wir hier künftig ein bisschen mehr Einblick in die Entwicklung in anderen Ländern außerhalb Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen.  Ich finde das super-interessant und super-cool in einem kurzen Zeitraum  so viele Leute kennenzulernen und wiederzusehen  - und das in so einer Umgebung ist fast unschlagbar.

Wir bedanken und ganz herzlich für das Interview.

Foto: BEO/SF, Studio 71

BEO-Autorin:  Sandra Freisinger-Heinl