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Erfolgreicher Start der MIP Digital Fronts

Digital Fronts MIPTV DailymotionWährend  sich Deutschland, zumindest gefühlt, vor allem mit rechtlichen Diskussionen um Produktplatzierungen auf Youtube-Kanälen wie Y-Titty  beschäftigt, geht die internationale Welt der digitalen Kanäle und Studios entscheidende Schritte voran.  Auf der MIP Digital Fronts erhielt die digitale Szene die Plattforum und den Raum, der ihr nach Meinung vieler Filmschaffender zusteht.  Erstmals präsentierten sich in Cannes die MCN (Multi-Channel-Networks), die digitalen Produzenten und digitalen Plattformen Seite an Seite mit den herkömmlichen Filmproduktionen und TV-Sendern. YouTuber stellten ihre  Formate vor, sprachen darüber, wie man eine Fanbase aufbaut und geben Einblicke in Kooperationen mit Marken.

Laurine Garaude, Director TV Division at Reed Midem, begrüßte es, dass der Markt nun alle Arten von Content, für TV und Digital beherbergt.  11.000 Teilnehmer aus über 100 Ländern und 4.000 Einkäufer. Ca. 1.000 der Buyer, wären vor allem wegen der MIP Digital Fronts vor Ort gewesen und die Zahl wäre Ihrer Meinung nach steigend.

Das  Event zählte 14 Fronts (u.a. von Youtube, Maker, Jimmy Lee, Rightster/Barcroft und  Dailymotion) und zahlreiche Youtube-Stars, wie  ‚Rhett and Link‘, ‚JacksGap‘,  ‚Stampy‘, Ana Kasparian vom Nachrichtenformat ‚TYT‘ (The Young Turks) und Musiker Chester See mit seinen 1.450.000 Youtube-Subscribern, der sogar live einen seiner Songs performte, waren vor Ort.

 

 Chester See

Foto: Chester See’s  Life Performance im Grand Audi

 

Wie wichtig dieser Bereich  eingeschätzt wird,  zeigt auch, dass sich ProSieben SAT.1 über die Tochter Red Arrow Entertainment an den Collecitve Digital Studios (CDS), einem MCN aus den USA beteiligt.  Group Managing  Dircetor Jan Frouman  berichtet auf der MIP über die neue Krimiserie „Bosch“, die auf der Novelle von Michael Connelly basiert und für die Amazon Studios produziert wird.

 

Aktuelle digitale Formate – Alex Carloss YouTube „Fans are reshaping media today“
Millenials (auch Digital Natives genannt, aus der Generation U35, die mit der digitalen Welt groß wurden), wollen bekannterweise längst selbst entscheiden, wo und wann sie Inhalte konsumieren.

Die User wollen sich mitteilen, meint Ana Kasparian vom News-Format „The Young Turks“ (TYT). „Der Dialog ist uns wichtig und  wir twittern mit unseren Usern immer nach der Sendung“, so Ana Kasparian. Nur wenn die Fans ein Format oder eine Formatänderung  gut finden, dann produzieren wir es weiter, sonst nicht.

„Fans geben dem Thema Media eine neue Dimension“, meint auch Alex Carloss, Head of Entertainment YouTube, der über  „the power of choice“ spricht. Die Fans zollen den YouTubern Anerkennung. Heute habe jeder die Chance, mit der Welt in Verbindung zu treten, muss es aber auch tun.

Erstaunlich dann, welche neuen Formate sich hier auf den Channels etabliert haben und welche neuen Stars geboren werden.  Es gibt gut gemachte Talkshows, Drama, Comedy und Factual / Lifestyle-Programme, wobei sich letztere aus dem Bereich Kochen und Fashion besonders gut für Product Integrations eigenen.

Dass Millenials keine News wollen, wird gleich mehrfach widerlegt. Sendungen wie TYT von Maker und das Vice Magazine vom gleichnamigen Channel dringen zu den Jüngeren vor. Anders als der“ geschniegelte Sprecher, der vom Telepromter abliest“, eröffnen sie einen Blick auf News als wäre man selbst mittendrin. Mit Reportern von überall auf der Welt, die Menschen befragen, nicht steif und gestellt, sondern kameradschaftlich, wie sie sie mit ihren eigenen Augen wahrnehmen.

Es komme nicht darauf an, ob die Plattform Web oder TV heißt, so Shane Smith CEO und Co-Founder von Vice, der das Vice-Nachrichtenmagazin auf HBO ausstrahlt. Ich würde es auch „als Hologramm“ machen, wenn dass das gewünschte neue Format wäre, denn es komme darauf an, „die Menschen zu erreichen“, so Shane Smith. Und  genau das gelingt über die Webchannels perfekt. 

Oftmals werden täglich, wie bei „Stampy“, mindestens aber wöchentlich Sendungen zu bestimmten Zeiten gelauncht . Die Digital Natives rufen sie jedoch ab, wann sie es wollen und wo sie es wollen. Die unglaublichen Zugriffszahlen und Subsscriber in Millionenhöhe bringen die TV-Macher zum Staunen.

 

Maker Grafik

Foto: Die immensen Zugriffszahlen von Maker

 

Dabei laufen Comedy-Sendungen besonders gut, die die Menschen zum Lachen bringe, wie ‚Rhett and Link‘ auf Youtube, die die Welt mit ihren Augen sehen. Oft bringen die Jugendlichen aber neben all dem Humor auch einen ernsthaften Background, wie zum Beispiel ‚JacksGap‘, die sich in einem kleinen Vehicle auf einen Roadtrip durch Indien  begaben, um  Spenden für krebskranke Jugendliche zu sammeln. Vice  erstellt das Format „Toxic“, in dem auf Umweltschäden hingewiesen wird.

 

Und die Brands? Derek Scobie Youtube: „Conspiracy  is Key“
Das wichtigste ist es offen und ehrlich zu kommunizieren,  meint Derek Scobie,  Head of Brand Propositions North & Central Europe  bei YouTube gegenüber BEO.  Das Publikum sei nun erwachsen genug geworden, so Scobie, um zu wissen, dass es guten Content nicht komplett umsonst erhalten könne. Deshalb sollte man deutlich machen, was bezahlt wurde. Mediakraft habe da in Deutschland auch schon gute Beispiele wie zum Beispiel mit Coca-Cola gebracht. Dabei sei ein YouTube-Channel-Betreiber wie Mediakraft,  immer selbst  für gesetzestreues Agieren auf einem nationalen Level verantwortlich, betont Scobie. Youtube ist keine TV- Plattform und  damit nicht verantwortlich für die Inhalte, sondern nur für die Distribution.   

 

MIP Rhehtt and Link

Foto: Die Youtube Stars ‚Rhett and Link‘

 

Auf der MIP wird gezeigt, wie Brands  von den bekannten Youtubern unkonventionell, ein wenig ironisch und intelligent integriert werden. ‚Golden Moustache‘ bildet mit Orangina Schweppes Backstage News zu der Preisverleihung  „Comedy Gold“ der RTL Group ab.

‚Rhett und Link‘ besorgen sich Kissen für eine Kissenshlacht der Extra-Klasse. „Wir brauchten eine ganze Menge Kissen für eine ganz besondere Kissenschlacht“, erläutern  ‚Rhett and Link‘ bierernst. Also haben wir eine Firma nach den Pillows gefragt, diese bekomme, in Szene gesetzt und wir konnten unser Programm finanzieren. Oftmals entwickeln wir auch Branded Content mit einer Brand „from the ground up“, beschreiben  die beiden Comedy Stars.

So einfach ist das, in anderen Ländern, wenn man nicht alles immer so kompliziert macht.

Fotos: BEO / SF

BEO-Autorin: Sandra Freisinger-Heinl